NLP in Hamburg

 
Subjektivität der Wahrnehmung - "Die Dinge bestehen aus Geist."
von Dr. Maren Franz


Nach den NLP-Grundannahmen, reagieren Menschen auf ihre "Landkarte der Realität", nicht auf die Realität an sich, da sie niemals die Realität an sich (er)kennen, sondern immer nur ihre eigene subjektive Wahrnehmung der Realität.

Die moderne Hirnforschung stellt fest: "Wahrnehmung ist stets ein aktiver Prozeß, keineswegs bloßes Aufnehmen von Sinneseindrücken. ... Unsere Wahrnehmungssysteme sind in hohem Maße interpretativ. Die Bilder, die sie erzeugen stimmen nicht unbedingt mit physikalischen Gegebenheiten überein."

In der Psychologie wird von Konstruktivismus gesprochen, da jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit konstruiert.

Diese modernen Erkenntnisse finden sich schon hunderte von Jahren früher im Buddhismus. In der buddhistischen Wahrnehmungstheorie wird zwischen gewöhnlichem Bewußtsein und erleuchteter Weisheit unterschieden.

Das gewöhnliche Bewußtsein besteht aus den sog. fünf Sinnesbewußtseinsarten (VAKOG) und einer mentalen Instanz, die die "Eindrücke" konzeptionalisiert. Letztere ist dafür verantwortlich, wie wir die Welt wahrnehmen, für unsere Projektion der Wirklichkeit. Projektion steht hier für unsere Art die Dinge - gefärbt von unseren Konzepten, Gewohnheiten - wahrzunehmen.

Das Ego projiziert beim Wahrnehmungsprozeß seine eigenen Bilder, anstatt die Welt direkt, so wie sie ist, wahrzunehmen. "Zwar nimmt das Bewußtsein ein Objekt wahr, seine Besonderheiten werden jedoch von den geistigen Faktoren konstruiert." "Die Dinge bestehen aus Geist."

Der Wahrnehmungsprozeß besteht aus buddhistischer Sicht aus den folgenden fünf geistigen Faktoren: Form (=äußere Welt), Empfindung (z.B. Sehen), Wahrnehmung (Abbild im Gehirn), Geistesregung (Bewertung des Bildes), Bewußtsein (interne Repräsentation). D.h., daß nichts unabhängig von unserer Wahrnehmung – aus sich selber heraus - existiert, m.a.W. Subjekt (Beobachter) und Objekt (Beobachtungsgegenstand) sind nicht getrennt.

Ergänzt man das klassischen "NLP-Kommunikationsmodell" um die Elemente der buddhistischen Wahrnehmungstheorie, so erhält man die folgende Darstellung des Wahrnehmungsprozesses.

Zunächst werden die äußeren Objekte – wenn sie eine bestimmte neurologische Schwelle überschreiten - selektiv mit den Sinnen wahrgenommen (Filter, #1). Hier spielen sowohl unterschiedliche Präferenzen für die verschiedenen Sinneskanäle (VAKOG), also auch Tilgungen und Verzerrungen ein Rolle. Es handelt sich also um neurologische Filtermechanismen.
Im nächsten Schritt erfolgt eine subjektive Bewertung - basierend auf den in der Abbildung genannte Einflussfaktoren - der Sinneseindrücke (Filter # 2 ist also ein psychologischer). Hieraus ergibt sich unsere subjektive, interne Repräsentation (codiert in Submodalitäten) der äußeren Objekte, auf die wir dann reagieren.

Da Menschen auf ihre "Landkarte der Realität" reagieren, sagt NLP, dass nicht die Realität an sich uns begrenzt, sondern unsere Landkarte der Realität.

"Aus d(ies)er Idee des Konstruktivismus ergeben sich zwei Konsequenzen:
Erstens die Toleranz für die Wirklichkeit anderer - denn dann haben die Wirklichkeiten anderer genauso viel Berechtigung als meine eigene.
Zweitens ein Gefühl der absoluten Verantwortlichkeit. Denn wenn ich glaube, daß ich meine eigene Wirklichkeit herstelle, bin ich für diese Wirklichkeit verantwortlich."

Diese Verantwortlichkeit findet sich sehr ähnlich auch im Diamantweg-Buddhismus. Hier wird betont, dass die eigene Sichtweise, das Leben wesentlich bestimmt und das Ziel ist es, alles als bedeutsam erfahren zu können. Grundsätzlich habe jeder begabte Mensch die Möglichkeit zu dieser sogenannten "reinen Sicht". Hierbei werden z.B. Probleme, als Chance zur eigenen Entwicklung begrüßt, statt sich über sie zu ärgern. Im NLP würde man hier von Reframing, durch herausarbeiten einer positiven Absicht hinter dem Problem, sprechen.

© 2001, Dr. Maren Franz
Dieser Artikel wurde in "Multimind" Heft 4/2005 veröffentlicht und als e-book bei www.activebooks.de